Liebe Gemeinde,
Wer war der größte Missionar in der Geschichte? Am Reformationsfest werden vielleicht einige Antworten: Martin Luther. Da würde ich beurteilen – naja, nicht weit gefehlt. Allerdings blieb Luther ja mit nur einer Ausnahmen, nur innerhalb der Grenzen seiner Provinz. Aber mit der biblischen Lehre, die er wieder neu gewonnen hatte, kam ganz Europa in Bewegung. Also Europa war schon in Bewegung: Zeitgenossen waren Michael Angelo, Nikolaus Kopernikus; die See-Routen über Süd Afrika nach China und nach Amerika wurden entdeckt; die Moslems breiteten sich aus. Aber besonders mit der Wiederentdeckung des Evangeliums wurde Europa regelrecht umgekrempelt; eine neue Zeitgeschichte entfaltete sich.
Wer war der größte Missionar?
Die Konfirmanden werden hoffentlich gleich die Hand hochhalten: der Apostel Paulus. Ja, ebenfalls gut getippt. Aber auch hier würden wir betonen: durch die Briefe des Neuen Testament zusammen mit seinen vielen Reisen hat sich das Wort ausgebreitet und entstanden überall christliche Gemeinden.
Wer war der größte Missionar?
In der Kirchengeschichte werden die Namen genannt: Hudson Taylor, David Livinston, Wiliam Carry, und viele andere … Und wir sind dem Kirchenvater Louis Harms von Herzen dankbar, dass das Schiff, die Kandaze, viele unserer Vorfahren hierher und sonst wo in die Welt gebracht hat. Allerdings auch sie alle hatten nicht viel anders zu bieten als DAS WORT Jesu Christi, das predigt: Sünde und Gnade, Gesetz und Evangelium, Rettung und Heil.
Und es ist gerade in diesem WORT, dass eine Kraft verborgen ist, die wir dem Heiligen Geist zuschreiben. Der Heilige Geist ist der größte Missionar aller Zeiten. Auch von IHM sagen wir, wie von Jesus Christus: gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit. Und Sonntag für Sonntag hören wir es: Das Evangelium von Jesus Christus ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.
Dieses Wort hast auch du, liebe Gemeinde. Und wenn du und ich, wenn wir DAS WORT haben, so sind wir hineingenommen in die Mission Gottes. Es kann ja nicht anders sein, wie Jesus sagt, dass die Stadt auf dem Berge, nicht verborgen sein kann, dass das Licht leuchtet.
DAS WORT drängt an die Öffentlichkeit. Es will gepredigt und persönlich bezeugt werden durch Worte und Taten – jeder auf seine Weise in seinem Kontext. Und wo Menschen auf neue Art in Bewegung kommen, geistig und geistlich wach werden, da kommt die ganze Gemeinde in Bewegung, da wird es hell.
Und wo es hell wird, da werden auch die Schatten deutlich. So haben wir letzten Sonntag aus Römer 7 darüber nachgedacht, dass durch das Evangelium die Sünde in mir mehr und mehr deutlich wird. Heute geht es um die Schatten da „draußen“, in der Welt. Es geht um die dunklen Mächte und Gewalten der Finsternis, die erregt werden.
Jesus sagt seinen Jünger gleich zu Anfang ihrer Apostel-Ausbildung, dass das Böse in mancherlei Gestalt ebenfalls erwachen wird. Zuerst nennt Jesus: Familie und Freunde (das habe ich nun nicht gelesen). Vater und Mutter und Kinder werden anfangen zu streiten, wenn einer von ihnen zum lebendigen Glauben in Christus kommen. Freunde werden euch verraten. Der Staat könnte mit der Polizei eingreifen. Einige werden vor Gericht geschleppt werden, verurteilt und einige sogar getötet werden.
So ähnlich hat Jesus schon gleich bei seiner Eintrittspredigt, die Bergpredigt, gesagt: Mat 5:11f Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, so sie daran lügen. 12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel wohl belohnt werden. Denn also haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.
Das ist kein sogenannte „Small print“ im Kontrakt, den man leicht übersehen könnte, sondern das steht groß geschrieben – wie ich es den Konfirmanden dann ebenso nenne: Behaltet, ihr legt bei der Konfirmation ein Versprechen ab, dass ihr Jesus Christus und seiner Kirche treu bleiben werdet. Da kann es manchmal hart-auf-hart werden, aber seid getrost …
Und als Mitglied der Lutherischen Kirche erinnern wir uns heute, was 1517 in Deutschland noch einmal in Bewegung kam. Du stehst im Chor von denen, die die Bekenntnisschrift, die Augsburgische Konfession mit ihrem Leben unterschrieben haben (1530).
Noch viel tröstlicher ist es, in der Gemeinde zu stehen, zu denen Gott JA gesagt hat. So oft hören wir es in der Taufe wie Gott sagt: Siehe, ich habe dich bei deinem Namen gerufen – du bist mein!
Das ist schon gar keine Frage mehr, ob wir zu Jesus gehören? Sondern Gott sagt es als Tatsache: “Ich habe dich schon gerufen; du gehörst zu mir!” Was sollen wir da noch darauf antworten? “Amen. Ja, Herr Jesus, lass es so geschehen!” Oder wie wir im Tauflied singen:
Du hast zu deinem Kind und Erbe, mein lieber Vater mich erklärt. Du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt. Du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein. So geb ich dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin; erwecke mich zu neuer Treue und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen tut.
Seht, dort, wo wir diese Verse aus der Bibel und aus dem Liederschatz von Herzen, ehrlich und mit Überzeugung nachsprechen – da wird es Pfingsten. Da, wo Christus zu Hause ist, da lebt etwas auf, da entsteht ein Lachen und eine Freude, die man nur erklären kann als die Gegenwart Jesu.
Weil du und ich, weil wir uns geborgen wissen in der Erlösung und in der Treue Gottes, darum, ja es kann gar nicht anders sein, darum sind wir Reformation, Kirche in ihrer Bewegung.
Und nun folgt ein dreifaches Wort Jesu: Fürchtet euch nicht! Weil es so wichtig ist, dass wir es unbedingt von diesem Gottesdienst aus mitnehmen dürfen, lasst uns das Wort Jesu alle zusammen wiederholen. Jesus Christus sagt: Fürchtet euch nicht!
Vor drei Dingen sollen wir uns nicht fürchten:
– vor Menschen, die gegen euch aufstehen
– vor diejenigen, die zwar den Leib töten können aber nicht die Seele
– weil ihr mehr wert seid als Spatzen.
Kurze Erklärung dazu:
– Fürchtet euch nicht vor Menschen, die gegen euch aufstehen. Wenn gesagt wird, dass heute etwa 400 Millionen Christen direkt verfolgt werden – meinst du, du kannst einer von ihnen werden? Wenn nicht, dann erinnere ich an die Briefe des Neuen Testament. Durchweg wird gesagt: denkt an die Verfolgten Christen; sie sind Teil von euch. Wir stehen in der Leidensgemeinschaft mit ihnen. Wir, wie auch sie, sind Teil des Leibes Christi.
Und tatsächlich sind wir hier an diesem Ort näher dran an direkter Verfolgung als uns lieb ist. Man hat uns vor ein paar Jahren von einem Tag zum anderen, alle gottesdienstliche Treffen verboten. Klar, es ging um den Virus, álle wurden eingeschränkt; noch durften wir Kirchen immerhin Aussendungen machen, aber wenn die Behörden auch die elektronischen Medien ausschalten? – kein Zugang mehr zu deinem Bankkonto, kein Zugang zum Evangelium.
– Fürchtet euch nicht vor diejenigen, die den Leib töten können, aber nicht die Seele. Behaltet ihr noch, als so vor ein paar Jahren die Bilder von Isis durch die Medien ging, wie in Nord Afrika, ägyptische Christen in orangem Overall hingerichtet wurden? – da riefen die vermummten Henker: Al Akbar = Allah ist groß! Und die Christen riefen: Christus ist Kyrios! Und dann fielen die Schüsse. Die Schüsse fallen in Indien, China, Süd Amerika. Vor kurzen wieder 9 Christen in Jordanien, und letzte Woche 60 Christen in Eritrea, in Nigeria über 80 000 Christen über die letzten 15 Jahre … und hier in Süd Afrika?
– Fürchtet euch nicht, denn ihr seid mehr wert als Spatzen. Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. 30 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt.
Damals hat man wohl so als „Snack“ neben der Straße gebratene Spatzen auf einem Holzstab verkauft, so ein Nando-Chicken Imbiss, kostete die kleinste Geldeinheit – einen Groschen. Niemand würde je sagen: “Ach Shame, die armen Spatzen!”; davon gab es sowieso zu viele, die das Getreide vom Feld wegfraßen. Und doch achtet Gott auf jeden einzelnen Spatzen. Vergesst nicht, Gott achtet auf euch, ihr Gotteskinder, jeden Einzelnen, jede Sekunde, wie es euch geht.
Und nun folgt ein vierfacher Auftrag:
– was ich euch im Verborgenen gesagt habe, das ruft aus von den Dächern. Angeblich haben Rabies ihren Studenten was ins Ohr geflüstert; diese sollten es dann öffentlich sagen, damit die Studenten mehr Selbstvertrauen kriegen. Jesus ermutigt seine Jünger: “Ruft es aus!” Es gibt kein Privatchristentum, das du nur in dein eigenes Kämmerlein pflegst, sondern das Wort drängt an die Öffentlichkeit. Wie gern würde ich jetzt drauf eingehen, auf die Reformation des 16.Jahrhunderts, wo sich Luther bewusst eingesetzt hat, dass das Evangelium sich im Alltag bewähren soll, dass es gehört, gelernt und gepredigt werden muss … aber davon ein Ander mal.
Jesus beauftragt die Jünger weiter:
– habt Ehrfurcht vor dem, der Leib und Seele in die Hölle verdammen kann;
– erinnert euch immer wieder, dass Gott mit euch ist, in jeder verzwickten Lage;
– bekennt mich vor Menschen, so werde ich, Jesus, euch vor dem himmlischen Vater bekennen.
Jesus sagt es, weil nach Kreuz und Auferstehung IHM alle Macht gegeben ist, im Himmel und auf Erden. Er selbst, Jesus hatte die dunklen Mächte der Finsternis aufgewühlt. Er selbst wurde verachtet, verraten, vor Gericht geschleppt und getötet. Er selbst ist auferstanden von den Toten und ging in die himmlische Herrlichkeit des Vaters. So wird es uns, die wir als seine Jünger mit IHM verbunden sind, ebenfalls ergehen.
Werden du und ich einmal die Grenze zwischen Zeit und Ewigkeit überschreiten, so wartet ER dort auch uns und tritt für uns ein und öffnet den Zugang zum himmlischen Herrlichkeit.
Ein letztes. Fragst du, wie geschieht Reformation heute?
– nun, es ist schon geschehen, an dem Tag als du in den Drei-einigen Gott hineingetauft worden bist. Da in der deiner Taufe hast du das Heil der Ewigkeit schon empfangen; da hat Gott dich auf deinem Namen gerufen; da hat ER seinen Weg mit dir begonnen.
– Reformation geschieht durch tägliche Reue und Buße, in deiner Stillen Zeit, im Bibellesen, im Gebet, wo dein lebendiges Verhältnis mit Gott geübt wird.
– Reformation geschieht, wo du treu bleibst an die Kirche Jesu Christi, an Gottesdienst und Gottes Gnadenmittel, wo du immer wieder erneuert und zugerüstet wirst zum Dienst in der Welt.
– Dazu wollen wir Reformation fördern durch Ausbildung und Zurüstung, Unterricht und Vorträge, Andachten und Bibelstunden – damit die Kirche Jesu in Bewegung bleibt – Bewegung in die Welt; eine Bewegung hin zur großen Ewigkeit.
– Reformation geschieht auch ohne uns und manchmal sogar gegen uns, denn es ist der Heilige Geist selbst, der die Welt in Bewegung setzt – wo Gott über seine Kirche wacht, über seine Lehre und seine Kinder.
Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als aller Verstand, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
Reformationsfest (Das ewige Evangelium)
Tagesspruch Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
1. Korinther 3, 11
Introitus – Nr. 72 (Psalm 56, 5; Psalm 46, 2)
Epistel
Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus. Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.
Römer 3, 21 – 28
Hauptlied
Nun freut euch, lieben Christen gmein 240
Ist Gott für mich, so trete 284
Evangelium
Als Jesus aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind, die da leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. [Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.]
Matthäus 5, 1 – 10 [11 – 12]
